WS-K. über Meditation,Rock`n´Roll und Nüchternheit

December 23, 2018

SAKTI MAG: Wolf, Dein Einstieg, spirituell aktiv zu werden, waren die Anonymen Alkoholiker-wie kam es dazu?

 

WOLF: Nach fast 24 Jahren Abhängigkeit hab ich bei den AA Halt gefunden- mit ihrem 12 Schritte Programm, um zu sich selbst zu kommen, demütig zu werden, eigenverantwortlich zu werden und aus dem Selbstmitleid raus zu kommen.

 

Das Spirituelle dabei war, anzuerkennen, dass man sich auch einer höheren Macht offenbaren kann - Gott, wie auch immer - welche die Fehler von einem nimmt sobald man sie erkennt.

 

Anmerkung der Redaktion: Die Gemeinschaft "Anonyme Alkoholiker" ist mit keiner Sekte, Konfession, Partei, Organisation oder Institution verbunden. (Auszug Webseite AA)

 

WOLF: Ich kenne viele bei AA, die meditieren, Advaita praktizieren…universell spirituell unterwegs sind. Die Abhängigkeit und da wieder raus zu kommen hat ja etwas von Katharsis und hat bestimmt viele dazu gebracht, sich spirituell weiterzuentwickeln…

 

SAKTI MAG  Was waren weitere Einflüsse auf Deinem Weg?

 

WOLF: Meine Tante in Canada hat mich sehr unterstützt auf meiner spirituellen Suche, hat beispielsweise  in dem Buch „Spiritual Growth“ von Sanaa Roman Passagen für mich angestrichen,…und dann ging es halt so weiter, aber ich glaub, die Suche hat schon wesentlich früher angefangen, ich habe als Jugendlicher Siddharta gelesen oder Demian (von Herrmann Hesse) -hab zwar nix kapiert, aber ich hab gewusst, oh, das ist der Stoff, da lohnt sich´s weiter zu suchen, dran zu bleiben… Aber irgendwie hab ich keine wirkliche Erfüllung gefunden, und aus diesem Sehnsuchtsgefühl heraus bin ich zum Kiffen gekommen. Mit 12 wollte ich schon kiffen, alle meine Helden haben das getan, die Musiker und Bands, die ich bewunderte.

 

Mit dem Kiffen bin ich in das Erfahrungsfeld Bewusstseinserweiterung eingestiegen, auch wenn ich noch nicht wusste, was das war, hab ich doch mit diesem Begriff operiert. Ich wurde richtiggehend abhängig von Dope, so dass es letztendlich dann nur noch die Funktion hatte, ein Loch zu stopfen, die Sehnsucht, die immer schon da war. LSD kam dann auch dazu…

Und dann kam das Aha Erlebnis -  Alkohol!!, Alkohol das war meine Droge, Alkohol als Energiespender, Nahrung, Mutmacher…universell einsetzbar, ein gutes Schlafmittel, hat mich gesellig gemacht.

 

Alkoholabhängig war ich bis 1999, als Teenie hab ich angefangen, und das ging, bis ich 37 war.

 

SAKTI MAG: Durch deine Musik konntest du diese Nähe zu Gott und zu Dir selbst, diese Verbindung, nicht aufbauen?

 

WOLF: Nein, nicht wirklich… Ich hatte da eine Ahnung…erst später hab ich gemerkt, dass Musik eine ganz andere - eine spirituelle Dimension haben kann.

Was mich aber immer schon wahnsinnig fasziniert hat, war die christliche Phase von Bob Dylan, oder Pete Townsend, der war (und ist es bis heute) Anhänger von Meher Baba, das wusste ich ja alles, das spiegelt sich ja auch in den Texten von Pete Townsend wieder...oder den Beatles, also, es waren ja nicht nur die Beatles, die bei Maharishi waren… Ich bin später auf noch viel mehr Künstler gestossen die Meditation praktizieren, Martie Maguire von den Dixie Chicks, David Munyon etc.pp…

Ich war immer sehr open minded, diesen Gurus gegenüber, was echt erstaunlich ist, da ich atheistisch erzogen bin.

Dass da was passiert, was relevant ist, hab ich gespürt, aber ich hab nie was draus gemacht, obwohl ich in meinem Leben mehrmals darüber gestolpert bin….

Mein damaliger Arbeitgeber in der Gärtner-Lehre, zum Beispiel, ein ziemlich verrückter Biobauer, der hat mich auf TM Kurse mitgenommen, ich hab das aber damals garnicht richtig wahrgenommen..

 

Anmerkung der Redaktion: Mit TM ist die Transzendentale Meditation gemeint, seit ca.1965 in Europa, eine Meditations-Methode nach dem Inder Maharishi Mahesh Yogi.

 

WOLF: Erst viel später, Anfang 2018 hab ich eine Meditationslehrerin gefunden, und was mich so fasziniert an dieser Methode, ist, dass Maharishi sagt, Erleuchtung ist für alle. Das finde ich einen sehr demokratischen Ansatz.

…fang erstmal an, dann ändert sich der Rest von ganz alleine. Das ist auch meine Erfahrung, über das Meditieren hab ich eine Riesen-Tür bei mir eingerannt.

Bei allen anderen spirituellen Praktiken, die ich so kennengelernt hab, musste man immer so viele andere Dinge im Vorfeld ändern - mach erstmal dies und das, bevor es ans Spirituelle geht... Bei den TM Meditationen konnte ich direkt einsteigen. Und es haben sich tatsächlich Dinge geändert...

Ich habe angefangen, mich anders zu ernähren, weniger zu rauchen und mit Yoga habe ich jetzt auch begonnen.

 

SAKTI MAG:  Wie war es, als du die ersten Meditationen mitgemacht hast?

 

WOLF:  Ich hatte relativ schnell diese grossartigen Erfahrungen, „Ich bin ein Teil des Ganzen, ja,  ich bin Gott“ (lacht), das klingt total übergekackt, aber ich meine damit, alles hängt einfach zusammen, es trennt mich nichts von Dir und den anderen, ausser meiner Haut vielleicht.

Manche Meditationen gehen auch total in die Hose, da erschlagen mich meine Gedanken, ich komm´  nicht immer  in diesen Urseins-Zustand, aber ich bleib da dran, jeden Tag 2 mal 20 Minuten, und ich weiss, ich werde weitermachen.

Ja, ich könnte sagen, anzufangen mit Meditieren war für mich genauso wichtig wie der Tag, an dem ich aufgehört habe, zu saufen.

 

SAKTI MAG:  Was ist in deinem Leben passiert, als Du angefangen hast zu meditieren?

 

WOLF:  Da ist viel mehr Gelassenheit, ich nehme mir die Sachen nicht mehr so zu Herzen, reagiere nicht mehr so grantig auf Anfeindungen, die Verletztheit ist nicht mehr so hoch.. Ich krieg ständig komplimente (lacht) „…du bist ganz anders geworden, siehst ganz anders aus….bist gut drauf“.

Ich kann mich mehr öffnen, ich war vorher eher so n´ grumpy old fuck, und jetzt bin ich viel weicher geworden, interessierter an den Menschen um mich herum…Aber (!!!)kann mich Arschgeigen gegenüber aber auch besser abgrenzen (lacht)

 

Ich bin da ja auch erst am Anfang, also stell Dir mal vor, was da noch alles kommen kann, wenn ich tiefer einsteige, mehr Veränderungen, ich freu mich drauf, bin total neugierig, und wenn die Veränderungen nicht kommen ist´s auch ok…Es ist ja jetzt schon so schon erstaunlich genug!

 

Anmerkung von Sakti Mag

 

Wolf Schubert-K ist ein Urgestein seines Genres und doch ein Geheimtipp.

 

Der Singer-Songwriter ist immer seine eigenen musikalischen Wege gegangen.

Bereits in den 90er Jahren war Wolf als Pionier des "Alternative Country " unterwegs. Mit den Bands DIRTY BIRDIES, den COSMIC TWINS und mit dem amerikanischen Songwriter Bob Lyng tourte er durch Frankreich, Belgien und die Niederlande.

 

Nach insgesamt 24 Jahren Alkohol-Abhängigkeit erfand er sich geläutert und trocken in 2009 mit dem Album "Sacred Blues" wieder neu und baut sich seit zur Zeit seine unabhängige musikalische Existenz auf.

 

 

Anfang 2018 entdeckte Wolf die Meditation für sich.

 

 

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